...die schönen Seiten des Orients

Verlagsprofil und Verlagsgeschichte

Der Verlag Edition Orient, 1980 auf Initiative des Übersetzers Nagi Naguib in Berlin gegründet, hatte sich zum Ziel gesetzt, arabische Literatur des 20. Jahrhunderts in Deutschland bekannter zu machen. Nach dem frühen Tod von Nagi Naguib im Jahr 1987 hat Frau Dr. Dietlind Schack diese inhaltliche Konzeption beibehalten. Seit 1998 hat der Verlag – quasi in 3. Generation in den Händen von Stephan Trudewind – den Schwerpunkt auf außereuropäische Kinderbücher gelegt.
    Die Titelvielfalt wächst von Jahr zu Jahr in beschaulichem Tempo, zur Zeit sind ca. 130 Bücher lieferbar.

 

Leitlinien unserer Veröffentlichungen sind folgende Grundsätze:
  »Unser« Orient ist programmatisch weit gefasst: Im Bereich der Belletristik (Romane, Erzählungen, Gedichte) stammen die Werke aus der arabischen, manchmal auch türkischen und persischen Welt, im Kinderbuchbereich umfasst er auch lateinamerikanische, afrikanische und asiatische Länder.
  Es kommen nur Autoren, die in diesem geographischen Raum leben oder ihm entstammen, zu Wort.
  Es wird nur aus der Originalsprache übersetzt.
Aber auch bei uns gibt es keine Regel ohne Ausnahme, dafür bürgen allein schon die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Verleger, die den Verlag geprägt haben.

Auszeichnungen und Würdigungen:

Edition Orient wurde bisher zweimal mit dem Deutschen Verlagspreis ausgezeichnet, nämlich 2021 und 2024. Die Kriterien »neben einem überzeugenden Verlagsprogramm, das kulturelle Engagement der Bewerberinnen und Bewerber, die Umsetzung innovativer Projekte oder eine außerordentlich hohe Qualität der verlegerischen Arbeit.«

2020 wurden wir bereits mit dem Berliner Verlagspreis bedacht. Aus der Laudatio von Heinrich von Berenberg: »Ein sympatischeres, notwendigeres Programm wie das von der Edition Orient kann man sich in diesen Zeiten gar nicht vorstellen. [...] Stephan Trudewind, der gegenwärtige Verleger, hat ihn in die modernen Zeiten geführt, in denen das Miteinander von Menschen aus verschiedenen sprachlichen, ethnischen und religiösen Kulturen eigentlich selbstverständlich sein sollte, aber, wie wir alle wissen und jeden Tag sehen können, immer noch nicht ist. Deshalb müssen Verlage wie die Edition Orient gefördert werden, und deshalb bekommt dieser Verlag auch den Berliner Verlagspreis.«

Autoren und Autorinnen:
Der bekannteste Autor des Verlages ist zweifelsohne der Ägypter Nagib Mahfuz mit seinem Roman »Geschwätz am Nil« bzw. »Das Hausboot am Nil«, der 1988 den Nobelpreis für Literatur erhielt. Pressestimmen lassen verlauten: »Es kommt einer kleinen Sensation gleich, wenn in einem kleinen Verlag der Roman eines Mannes erscheint, der als der bedeutendste zeitgenössische arabische Schriftsteller gilt« (FAZ).

Ein weiterer bedeutender Autor ist Taha Hussain. Er gilt als der Wegbereiter einer Verbindung zwischen europäischer und islamischer Kultur in der Tradition der Aufklärung. Später wurde er ägyptischer Kulturminister unter Nasser. Edition Orient brachte die drei Bände seiner Autobiographie heraus, »Kindheitstage«, »Jugendjahre in Kairo« und »Weltbürger zwischen Kairo und Paris«. Auch eines der ersten Bücher auf Deutsch von Adonis erschien bei uns.

Mehrsprachige Kinderbücher
Eine Besonderheit des Verlages sind die zwei- und mehrsprachigen Kinderbücher, wobei wir bisher 42 verschiedene Sprachen berücksichtigt haben, von Albanisch über Georgisch bis Urdu. Die schön illustrierten Bilderbücher wenden sich an Kinder ab dem 3. Lebensjahr. Als Leser wünschen wir uns dabei nicht nur Kinder von in Deutschland eingewanderten Eltern, sondern alle, die Lust haben, auch mal andere Kinderbücher kennenzulernen oder die neue Sprachen lernen. Begonnen wurde auch hier mit arabischsprachigen Büchern, der Titel »Oh wie schön ist Fliegen« von Suleman Taufiq aus dem Jahr 1988 ist das erste arabisch-deutsche Kinderbuch überhaupt in Deutschland – hier war Edition Orient dem Trend weit voraus.

Für das wunderschöne Bilderbuch von Walid Taher: »Mein neuer Freund, der Mond« wurde Edition Orient mit dem Sonderpreis der Kreuzberger Kinderstiftung 2004 ausgezeichnet; es ist bis heute einer unserer Bestseller. In der letzten Auflage wurde es sogar um den ägyptisch-arabischen Dialekt ergänzt.

Eine unserer erfolgreichsten Reihen ist »Wer hat mein Eis gegessen?«, diese süße Kindergeschichte ist in 19 Sprachen erschienen und sowohl einzeln als auch als Box mit Hör-CD erhältlich. Perfekt für alle, die sich die Sprache nicht nur durchlesen, sondern auch gleichzeitig die Aussprache üben wollen. Zuletzt wurde das Projekt mit einem Kamishibai in 5 weiteren Sprachen weiter ausgebaut.

Reihen

Wer bei uns auf der Suche nach orientalischer Erwachsenenliteratur sucht, der sollte sich die folgenden Buchreihen anschauen:
Die Reihe »Frauen aus dem Orient erzählen« umfasst bislang 7 Bände. Wir begegnen authentischen Romanen und Erzählungen aus Ägypten, Tunesien, Algerien, Syrien und Kuwait. Zu den Autorinnen zählen so bekannte Namen wie Alifa Rifaat oder Ghada Samman. Sie erzählen von den Schwierigkeiten, den Kämpfen und dem Leid der arabischen Frauen, ohne sich von den Männern abzugrenzen. Die libanesische Schriftstellerin Ghada Samman, deren politisches Engagement besonders stark ausgeprägt ist, sagt: »Ich bin eine Araberin, die zweitausend Jahre alt ist. In meinem Blut trage ich die Qualen all meiner weiblichen Vorfahren ... Ich bin in der Tat eine Feministin. Jede arabische Frau kann nur Feministin sein.«

Die Reihe »Der orientalische Diwan« präsentiert syrische, libanesische, persische, kurdische und armenische Lyrik. Mit Abi Anwari, Suleman Taufiq und Hasan Dewran sind hier auch Autoren vertreten, die in Deutschland leben. Sie stehen einvernehmlich neben dem großen syrischen Dichter Adonis und dem Klassiker der persischen Mystik, Omar Chajjam. Auch bei diesem Buch eine kleine Besonderheit: Der deutschen Übersetzung gegenübergestellt ist das Original in schöner persischer Kalligraphie. Bislang sind neun Gedichtbände erschienen.

Als erster Verlag im deutschsprachigen Raum hat Edition Orient begonnen, eine »Zweisprachige Reihe Arabisch-Deutsch« herauszugeben. Bislang sind neun Bände erschienen, darunter viele Klassiker der arabischen Moderne, von Salah Abd As-Sabur über Nagib Mahfuz bis hin zu Jussuf Idris im letzten Band. Die Bücher enthalten zumeist Erzählungen und Kurzgeschichten, um Arabisch Lernenden einen leichteren Zugang zu der originalsprachigen Literatur zu ermöglichen und sie mit abgeschlossenen Werken der arabischen Literatur vertraut zu machen.

Für Erwachsene wie für Kinder wird die Reihe »Illustrierte Volksmärchen« – pralles, phantastisches Märchengut – dem deutschen Lesepublikum nahegelegt. Zu den Illustratoren gehört u.a. der Künstler Michael Sowa, der bei Edition Orient seine ersten Buchprojekte realisierte. 8 Bände sind inzwischen erschienen, so: »Märchen aus Nordafrika« und »Chinesische Märchen«.

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